Kapitel 45, Simund

Die Zwerge traten vor und die Gruppe rückte näher zusammen. Die Art, wie die Zwerge von Kopf bis Fuß in schimmerndes Metall gekleidet waren, kannte Simund so nicht: Es war nirgends eine Öffnung oder Lücke im Eisenkleid zu erkennen. Bis auf den Helm, wo aus ein paar kleinen Schlitzen angriffslustige Augen heraus blitzten.

„Also“, sprach der Zwerg auf dem Stuhl. „Ihr wolltet doch reden? Vielleicht erklärt Ihr uns zuerst, wieso Ihr in unsere Hallen eingebrochen seid.“

Sie schauten sich gegenseitig an.

„Piasus“, sagte Simund rasch, „zeig ihm einfach den Vertrag.“

„Ja, richtig, der Vertrag!“

Piasus wollte an seine Tasche. Sofort rückten die Zwerge einen weiteren Schritt vor.

„Nur ruhig!“, sprach Piasus mit erhobenen Armen. „Ich habe da ein Schriftstück in meiner Tasche, das ein Zwerg mir aufgetragen hatte, Euch zu übersenden. Wenn Ihr mir also erlauben würdet, es einfach herauszuholen …“

„Aber keine krummen Sachen!“, sprach einer der Zwerge. „Ich sehe doch, da ist ein Stab oder etwas Ähnliches.“

„Das ist nur ein einfacher Wanderstab, nichts weiter. Ich habe den Vertrag gleich herausgeholt, kein Grund zur Sorge. Hier, da ist er schon. Wenn ich …“

Der Zwerg vor ihnen riss ihm die Schriftrolle aus der Hand und warf einen kurzen Blick drauf.

„Es ist Zwergisch! Richtiges Zwergisch. Und … Das musst du dir ansehen!“

Seine Waffe fiel zu Boden, er konzentrierte sich allein darauf den Vertrag zu lesen. „Ithulde!“, rief er. „Du auch! Es geht um unseren Tiuz!“

„Tiuz?“

Der andere Zwerg war Ithulde?, wunderte sich Simund. Unter all diesem Metall hatte er nicht die Zwergenfrau erwartet.

Die Gruppe begann sich zu entspannen, als die drei Zwerge gemeinsam den Vertrag studierten. Ab und zu schienen sie sich über einzelne Passagen genauer zu beratschlagen. Dabei wechselten sie zwischen der ihm verständlichen Sprache und dem Zwergisch hin und her.

Die Zwerge hatten offenbar den Vertrag zur Gänze besprochen; sie nahmen ihre Helme ab und schauten verblüfft zu ihnen hinüber. Zwei der Zwerge ähnelten sich so sehr, dass Simund glaubte, Brüder zu sehen. Sie beide teilten sich die Augenbraue von einer Seite der Stirn zur anderen, das dunkelrote Haar fiel ihnen bis auf die Schultern hinab, dazu ein gleichfarbiger Bart, der ihnen bis zum Bauch reichte. Die nun deutlicher als Frau erkennbare Zwergin musste Ithulde gewesen sein: Sie hatte das blonde Haar zu zahllosen Zöpfen geflochten. Das Gesicht war etwas feist, eher das eines dicklichen Mädchens. Die Wangen waren gerötet im Vergleich zu den zumeist eher blassen männlichen Zwergen.

„Wisst ihr, was hier geschrieben steht?“ fragte der Zwerg, der vorhin auf dem Thron gesessen und gesungen hatte.

Piasus trat hervor: „Soweit mich Tiuz unterrichtet hatte, ja. Wir haben ihn auch zu einem anderen Zwerg gebracht und seinen Inhalt bestätigen lassen. Wir wissen, worum es geht: Unterstützung für die Befreiung Ihres Sohnes. Und eine Belohnung.“

Der Klang des letzten Wortes schwankte zwischen einer Frage und einer Aussage.

„Tiuz ist am Leben!“, rief Ithulde. „Die Nachricht allein ist schon eine Belohnung wert! Oh, wie ich unsere Söhne vermisse. Nun haben wir die traurige Nachricht, dass einer der beiden sein Ende gefunden hat. Aber wenigstens können wir Tiuz befreien.“

„Unverschämt ist das“, sprach einer der beiden anderen Zwerge. „Einfach so einen Vertrag aufzusetzen und zu beschließen, dass wir diese Fremden dabei unterstützen sollen. Und eine Belohnung sollen wir ihnen auch noch aushändigen. Aber so kennen wir unseren Tiuz, nicht wahr? Ich hätte es nicht anders getan.“

„Nein, Hrodnitz, das hättest du nicht. Es ist an der Zeit“, sagte er zu den Eindringlingen, „dass wir uns einander vorstellen. Ich bin Waltnar, das ist mein Bruder Hrodnitz und das die Stammhalterin unseres Hortes, Ithulde. Und nun wird es langsam Zeit, dass Ihr uns erklärt, wer Ihr seid und woher Ihr Tiuz kennt.“

Piasus erzählte alles, angefangen damit, wie er ihren Sohn Tiuz in der Gefangenschaft fand, wie Tiuz ihm von Hartrieds Mordversuch berichtete und ihm den wertvollen Gegenstand stahl.

Waltnar nickte und setzte sich auf einen Stuhl. „Wenn dieser König der Merowa einen mächtigen Gegenstand einer unserer Söhne in die Hände bekam, verwundert es nicht, dass Ihr die Hilfe von uns Zwergen benötigt. In der Tat könnte es sein, dass der König damit so gut wie unbesiegbar ist. Tiuz und sein Bruder verstanden ihr Handwerk.“

„Sollten wir uns nicht erst bereden?“, fragte Hrodnitz. „Bevor wir irgendetwas entscheiden und diesen Eindringlingen ihre Worte glauben, sollten wir uns zuerst zurückziehen und das Ganze in Ruhe besprechen.“

„Was gibt es da noch zu bereden?“, fragte Ithulde. „Ihre Geschichte gleicht sich mit dem, was in dem Vertrag von Tiuz selbst geschrieben steht. Für mich ist alles klar: Wir müssen diesen Menschen jede mögliche Hilfe zukommen lassen, damit sie auch bei der Befreiung von Tiuz Erfolg haben werden! Das steht außer Frage!“

Waltnar runzelte die Stirn. Simund fragte sich, ob er die Entscheidung fällen würde. Aber es schien ihm eher, als hätte Ithulde das letzte Wort.

„Wir können ihnen nicht alles mitgeben“, gab Waltnar zu bedenken. „Wir müssen auch an uns denken. Keiner von uns darf diesen Hort verlassen, wir haben nur noch uns drei.“

„Weil wir uns abgeschottet haben“, warf Ithulde ein. Und wandte sich dann an Simund und die anderen: „Wir erfuhren nämlich sehr wohl davon, dass etwas mit Tiuz und seinem Bruder geschehen war. Nachdem wir eine Weile nichts mehr von ihnen gehört hatten, sandten wir ein paar unserer eigenen Schüler aus.“

Schüler?, fragte sich Simund. Wohl wie Barutz ein Schüler von Svorgir ist. Doch was könnten ihre Schüler hier lernen? Wir sahen viele Schmieden und diese Zwerge sind besser bewaffnet als alle anderen, denen ich bisher begegnet war. Es muss sich um Waffenschmiede handeln.

„Nicht alle kehrten zurück“, fuhr Ithulde fort, „und jene, die hier eintrafen, berichteten von dem leergeräumten Hort. Wir glaubten schon, wir wären die nächsten Opfer. Nie hätten wir ahnen können, dass der König der Merowa dahinter steckte. Oder war er damals noch nicht König?“

„Was tut es zur Sache?“, brachte sich Hrodnitz wieder ein. „Alle unsere Schüler haben uns verlassen. Wir können niemanden entbehren, da niemand zum Entbehren da ist. Wir können ihnen mehr Zwergengold und -Silber mitgeben, als sie tragen können, aber was nützt es ihnen?“

„Wir werden ihnen nicht unseren Reichtum mitgeben“, hielt Waltnar dagegen.

„Müssen wir nicht“, sprach Ithulde und ging auf Barutz zu. Sie stellte sich neben ihn und stemmte die Hände in die Hüfte. „Wir bezahlen ihn. Wenn dieser Zwerg die Menschen hierher bringen konnte, dann dürfte Tiuz zu befreien für ihn kein Problem sein. Habe ich nicht recht?“

Barutz schaute Ithulde verblüfft an. „Ich … ähm … denke schon. Weiß nicht. Vielleicht. Wo soll ich einbrechen? Ach ja, es ist eine menschliche Behausung, richtig? Das dürfte eigentlich kein Problem sein!“

Piasus verschränkte die Arme. „Ganz so einfach ist das nicht. Barutz wird auffallen. Dort, wo wir hinwollen, sind Zwerge kein gewöhnlicher Anblick. Die Nachricht wird schnell zum Tyrannen von Tyon gelangen und der wird dann sofort wissen wollen, um wen es sich bei diesem Zwerg handelt.“

„Dann müsst Ihr Euch eben etwas überlegen, wie Ihr ihn gut versteckt“, warf Ithulde ein. „Das ist mein Vorschlag: Wir bezahlen Barutz dafür, unseren Sohn zu befreien. Er wird Euch begleiten und auch mit ihm zurückkommen. Ist Tiuz wohl und behalten wieder hier, dann bekommt er die volle Bezahlung. Und Ihr natürlich die Belohnung.“

Die Zwergin gesellte sich zu ihren Männern. „Das ist doch eine bessere Idee, als diesen Menschen eine Unmenge Gold in den Rachen zu werfen und dann wissen sie nicht, was sie damit machen sollten.“

Waltnar legte die Stirn in tiefe Falten. Er sank tief in seinen Stuhl hinein. Hrodnitz hingegen beugte sich vor und schaute sich die Gruppe genau an.

„Das wird nicht reichen“, sprach er. „Sieh sie dir an. Kleiden sich in Wolle und Leder und glauben, damit eine gut geführte Klinge abhalten zu können. Speere und Schwerter von minderer Qualität, die meinen Augen zuwider ist. Der eine da muss sich sogar mit einem Stock begnügen!“

Hrodnitz zeigte auf Simunds Keule. Für einen Moment wollte Simund aufbegehren und ihm von der Wichtigkeit, gar Heiligkeit dieser göttlichen Waffe überzeugen. Dann entschied er sich dafür, in sich hinein zu lächeln. Er wusste es besser.

„Wir sind Schmiede, warum also geben wir ihnen nicht einige unserer Arbeiten mit? Das ist etwas, was wir entbehren können, denn unsere Kammern sind voll mit Klingen aller Art.“

Rodried bekam leuchtende Augen. „Wir kriegen zwergische Waffen?“

„Freue dich nicht zu früh“, sprach Waltnar. „Keine magischen Waffen. Damit fallt ihr sofort auf, selbst wenn die Menschen dort unten nicht wissen, dass der magische Glanz aus unseren Schmieden stammt. Aber ein paar solide Klingen erstklassiger Zwergenarbeit, das lässt sich einrichten.“

Das tat Rodrieds Freude keinen Abbruch. Auch Simund gefiel die Vorstellung, von den Zwergen ausgestattet zu werden. Die drei Zwerge bedeuteten den Menschen, ihnen zu folgen. Sie führten sie durch mehrere dunkle, verlassene Räume und niedrige Hallen. Überall lag sich Staub auf steinerne Möbel und Schmiedeöfen. Der Hort war weitaus weitläufiger, als Simund vermutet hätte und gleichzeitig auch viel vertrackter. Mehrmals bogen sie um, gingen durch kleine, verwinkelte Gänge, die immer wieder von einem der Zwerge aufgeschlossen werden mussten. Sie legten wirklich viel Wert auf Sicherheit.

Die letzte Tür führte zur Waffenkammer. Die Wände und Regale waren voll mit Klingen, Beilen, Hämmern aller Art. Selbst mehrere der Armbrüste, wie Barutz eine führte, sah Simund in dem weiten Raum aufgereiht. Ganz weit hinten glaubte Simund die magischen Waffen der Zwerge im Dunkeln schimmern zu sehen.

Stauend versuchten sie alle einen Blick in die Kammer zu erhaschen, doch versperrten die Zwerge ihnen den Weg, wodurch sie lediglich über deren Köpfe blicken konnten.

Waltnar fragte sie nach ihren Vorlieben und verschwand danach in der Kammer. Hedda freute sich über einen neuen Speer und eine elegante Axt. Sie sagte ihm, dass sie die meiste Zeit auf einem Schiff verbrachte, weswegen Waltnar der Meinung war, so eine Axt würde sich auch als Werkzeug sehr gut auf hoher See eignen. Rodried und Piasus bekamen beide Schwerter, welche etwas kürzer waren als jene, welche die Merowa an der Oberfläche verwendeten. Die Klingen hingegen waren breiter und wesentlich massiger. Schließlich kam Waltnar zu Simund und belächelte die Cherus-Keule.

„Fürchtest du dich vor scharfen Klingen? Wie wäre es mit einer einfachen Stange? Damit kannst du auch jemanden den Kopf einschlagen, aber wenigstens wäre es aus Metall.“

„Ich denke, Ihr unterschätzt diese Keule. Bislang hat sie sich als formidable Waffe erwiesen und ich fühle mich sehr wohl mit ihr.“

Waltnar nickte und dachte nach.

„Er braucht ein Schild“, sprach Hrodnitz. „Einen guten Schild. Denk nicht immer nur an die Waffen, man muss sich auch verteidigen können.“

„Das ist eine gute Idee!“, sprach Waltnar und ging in die Kammer. Zurück kam er mit einem etwa mittelgroßen, viereckigen Schild und überreichte ihm Simund. Er bestand ganz aus Metall, jedoch war er trotzdem nicht besonders schwer. Ob das an der Kunst der Zwerge lag? Die Form kam ihm zuerst fremdartig vor, war er doch die rundlichen Schilde der Merowa gewöhnt. Doch er glaubte, dass ihm diese Trutzwaffe gefallen würde.

Dann kam Melinde an die Reihe. Sie winkte sofort ab.

„Das ist zu freundlich“, sagte sie. „Aber ich brauche nichts und verlasse mich auf die starken Arme meiner Begleiter. Jedoch möchte ich Euch um einen Gefallen bitten. Leider können wir Euch dafür nichts bieten, aber Ihr würdet uns Merowa einen großen Dienst erweisen, wenn Ihr für uns eine andere Art von Waffe verwahrt.“

„Wovon sprichst du?“, fragte Waltnar.

„Piasus, zeige ihm bitte den Stab. Den Stab des Nekromanten.“

angriffslustige Augen heraus blitzten.

„Also“, sprach der Zwerg auf dem Stuhl. „Ihr wolltet doch reden? Vielleicht erklärt Ihr uns zuerst, wieso Ihr in unsere Hallen eingebrochen seid.“

Sie schauten sich gegenseitig an.

„Piasus“, sprach Simund, „zeig ihm einfach den Vertrag.“

„Ja, richtig, der Vertrag!“

Piasus wollte an seine Tasche. Sofort rückten die Zwerge einen weiteren Schritt vor.

„Nur ruhig!“, sprach Piasus mit erhobenen Armen. „Ich habe da ein Schriftstück in meiner Tasche, das ein Zwerg mir aufgetragen hatte, Euch zu übersenden. Wenn Ihr mir also erlauben würdet, es einfach herauszuholen …“

„Aber keine krummen Sachen!“, sprach einer der Zwerge. „Ich sehe doch, da ist ein Stab oder etwas Ähnliches.“

„Das ist nur ein einfacher Wanderstab, nichts weiter. Ich habe den Vertrag gleich herausgeholt, kein Grund zur Sorge. Hier, da ist er schon. Wenn ich …“

Der Zwerg vor ihnen riss ihm die Schriftrolle aus der Hand und warf einen kurzen Blick drauf.

„Es ist Zwergisch! Richtiges Zwergisch. Und … Das musst du dir ansehen!“

Seine Waffe fiel zu Boden, er konzentrierte sich allein darauf den Vertrag zu lesen. „Ithulde!“, rief er. „Du auch! Es geht um unseren Tiuz!“

„Tiuz?“

Der andere Zwerg war Ithulde?, wunderte sich Simund. Unter all diesem Metall hatte er nicht die Zwergenfrau erwartet.

Die Gruppe begann sich zu entspannen, als die drei Zwerge gemeinsam den Vertrag studierten. Ab und zu schienen sie sich über einzelne Passagen genauer zu beratschlagen. Simund hörte Worte fallen, die nur das ihm unbekannte Zwergisch sein konnten.

Die Zwerge hatten offenbar den Vertrag zur Gänze besprochen; sie nahmen ihre Helme ab und schauten verblüfft zu ihnen hinüber. Zwei der Zwerge ähnelten sich so sehr, dass Simund glaubte, Brüder zu sehen. Sie beide teilten sich die Augenbraue von einer Seite der Stirn zur anderen, das dunkelrote Haar fiel ihnen bis auf die Schultern hinab, dazu ein gleichfarbiger Bart, der ihnen bis zum Bauch reichte. Die nun deutlicher als Frau erkennbare Zwergin musste Ithulde gewesen sein: Sie hatte das blonde Haar zu zahllosen Zöpfen geflochten. Das Gesicht war etwas feist, eher das eines dicklichen Mädchens. Die Wangen waren gerötet im Vergleich zu den zumeist eher blassen männlichen Zwergen.

„Wisst ihr, was hier geschrieben steht?“ fragte der Zwerg, der vorhin auf dem Thron saß und gesungen hatte.

Piasus trat hervor: „Soweit was mir Tiuz erzählt hatte, ja. Wir haben ihn auch zu einem anderen Zwerg gebracht und seinen Inhalt bestätigen lassen. Wir wissen, worum es geht: Unterstützung für die Befreiung Ihres Sohnes. Und eine Belohnung.“

Der Klang des letzten Wortes schwankte zwischen einer Frage und einer Aussage.

„Tiuz ist am Leben!“, sprach Ithulde. „Die Nachricht allein ist schon eine Belohnung wert! Oh, wie ich unsere Söhne vermisse. Nun haben wir die traurige Nachricht, dass einer der beiden sein Ende gefunden hat. Aber wenigstens können wir Tiuz befreien.“

„Unverschämt ist das“, sprach einer der beiden anderen Zwerge. „Einfach so einen Vertrag aufzusetzen und zu beschließen, dass wir diese Fremden dabei unterstützen sollen. Und eine Belohnung sollen wir ihnen auch noch aushändigen. Aber so kennen wir unseren Tiuz, nicht wahr? Ich hätte es nicht anders getan.“

„Nein, Hrodnitz, das hättest du nicht. Es wird an der Zeit“, sagte er zu den Eindringlingen, „dass wir uns einander vorstellen. Ich bin Waltnar, das ist mein Bruder Hrodnitz und das die Stammhalterin unseres Hortes, Ithulde. Und nun wird es langsam Zeit, dass Ihr uns erklärt, wer Ihr seid und woher Ihr Tiuz kennt.“

Piasus erzählte alles, angefangen damit, wie er ihren Sohn Tiuz in der Gefangenschaft fand, wie Tiuz ihm von Hartrieds Mordversuch berichtete und ihm den wertvollen Gegenstand stahl.

Waltnar nickte und setzte sich auf einen Stuhl. „Wenn dieser König der Merowa einen mächtigen Gegenstand einer unserer Söhne in die Hände bekam, verwundert es nicht, dass Ihr die Hilfe von uns Zwergen benötigt. In der Tat könnte es sein, dass der König damit so gut wie unbesiegbar ist. Tiuz und sein Bruder verstanden ihr Handwerk.“

„Sollten wir uns nicht erst bereden?“, fragte Hrodnitz. „Bevor wir irgendetwas entscheiden und diesen Eindringlingen ihre Worte glauben, sollten wir uns zuerst zurückziehen und das Ganze in Ruhe besprechen.“

„Was gibt es da noch zu bereden?“, fragte Ithulde. „Ihre Geschichte gleicht sich mit dem, was in dem Vertrag von Tiuz selbst geschrieben steht. Für mich ist alles klar: Wir müssen diesen Menschen jede mögliche Hilfe zukommen lassen, damit sie auch bei der Befreiung von Tiuz Erfolg haben werden! Das steht außer Frage!“

Waltnar runzelte die Stirn. Simund fragte sich, ob er die Entscheidung fällen würde. Aber es schien ihm eher, als hätte Ithulde das letzte Wort.

„Wir können ihnen nicht alles mitgeben“, gab Waltnar zu bedenken. „Wir müssen auch an uns denken. Keiner von uns darf diesen Hort verlassen, wir haben nur noch uns drei im Moment.“

„Weil wir uns abgeschottet haben“, warf Ithulde ein. Und wandte sich dann an Simund und die anderen: „Wir erfuhren nämlich sehr wohl davon, dass etwas mit Tiuz und seinem Bruder geschehen war. Nachdem wir eine Weile nichts mehr von ihnen gehört hatten, sandten wir ein paar unserer eigenen Schüler aus.“

Schüler?, fragte sich Simund. Wohl wie Barutz ein Schüler von Svorgir ist. Doch was könnten ihre Schüler hier lernen?… Wir sahen viele Schmieden und diese Zwerge sind besser bewaffnet als alle anderen, denen ich bisher begegnet war. Es muss sich um Waffenschmiede handeln.

„Nicht alle kehrten zurück“, fuhr Ithulde fort, „und jene, die hier eintrafen, berichteten von dem leergeräumten Hort. Wir glaubten schon, wir wären die nächsten Opfer. Nie hätten wir ahnen können, dass der König der Merowa dahinter steckte. Oder war er damals noch nicht König?“

„Was tut es zur Sache?“, brachte sich Hrodnitz wieder ein. „Alle unsere Schüler haben uns verlassen. Wir können niemanden entbehren, da niemand zum Entbehren da ist. Wir können ihnen mehr Zwergengold und -Silber mitgeben, als sie tragen können, aber was nützt es ihnen?“

„Wir werden ihnen nicht unseren Reichtum mitgeben“, hielt Waltnar ihm gegen.

„Müssen wir nicht“, sprach Ithulde und ging auf Barutz zu. Sie stellte sich neben ihm und stemmte die Hände in die Hüfte. „Wir bezahlen ihn. Wenn dieser Zwerg die Menschen hierher bringen konnte, dann dürfte Tiuz zu befreien für ihn kein Problem sein. Habe ich nicht recht?“

Barutz schaute Ithulde verblüfft an. „Ich … ähm … denke schon. Weiß nicht. Vielleicht. Wo soll ich einbrechen? Ach ja, es ist eine menschliche Behausung, richtig? Das dürfte eigentlich kein Problem sein!“

Piasus verschränkte die Arme. „Ganz so einfach ist das nicht. Barutz wird auffallen. Dort, wo wir hinwollen, sind Zwerge kein gewöhnlicher Anblick. Die Nachricht wird schnell zum Tyrannen von Tyon gelangen und der wird dann sofort wissen wollen, um wen es sich bei diesem Zwerg handelt.“

„Dann müsst Ihr Euch eben etwas überlegen, wir Ihr ihn gut versteckt“, warf Ithulde ein. „Das ist mein Vorschlag: Wir bezahlen Barutz dafür, unseren Sohn zu befreien. Er wird Euch begleiten und auch mit ihm zurückkommen. Ist Tiuz wohl und behalten wieder hier, dann bekommt er die volle Bezahlung. Und Ihr natürlich die Belohnung.“

Die Zwergin gesellte sich zu ihren Männern. „Das ist doch eine bessere Idee, als diesen Menschen eine Unmenge Gold in den Rachen zu werfen und dann wissen sie nicht, was sie damit machen sollten.“

Waltnar legte die Stirn in tiefe Falten. Er sank tief in seinen Stuhl hinein. Hrodnitz hingegen beugte sich vor und schaute sich die Gruppe genau an.

„Das wird nicht reichen“, sprach er. „Sieh sie dir an. Kleiden sich in Wolle und Leder und glauben, damit eine gut geführte Klinge abhalten zu können. Speere und Schwerter von minderer Qualität, die meinen Augen zuwider ist. Der eine da muss sich sogar mit einem Stock begnügen!“

Hrodnitz zeigte auf Simunds Keule. Für einen Moment wollte Simund aufbegehren und ihm von der Wichtigkeit, gar Heiligkeit dieser göttlichen Waffe überzeugen. Dann entschied er sich dafür, in sich hinein zu lächeln. Er wusste es besser.

„Wir sind Schmiede, warum also geben wir ihnen nicht einige unserer Arbeiten mit? Das ist etwas, was wir entbehren können, denn unsere Kammern sind voll mit Klingen aller Art.“

Rodried bekam leuchtende Augen. „Wir kriegen zwergische Waffen?“

„Freue dich nicht zu früh“, sprach Waltnar. „Keine magischen Waffen. Damit fallt ihr sofort auf, selbst wenn die Menschen dort unten nicht wissen, dass der magische Glanz aus unseren Schmieden stammt. Aber ein paar solide Klingen erstklassiger Zwergenarbeit, das lässt sich einrichten.“

Das tat Rodrieds Freude keinen Abbruch. Auch Simund gefiel die Vorstellung, von den Zwergen ausgestattet zu werden. Die drei Zwerge bedeuteten den Menschen, ihnen zu folgen. Sie führten sie durch mehrere dunkle, verlassene Räume und niedrige Hallen. Überall legte sich Staub auf steinerne Möbel und Schmiedeöfen. Der Hort war weitaus weitläufiger, als Simund vermutet hätte und gleichzeitig auch viel vertrackter. Mehrmals bogen sie um, gingen durch kleine, verwinkelte Gänge, die immer wieder von einem der Zwerge aufgeschlossen werden mussten. Sie legten wirklich viel Wert auf Sicherheit.

Die letzte Tür führte zur Waffenkammer. Es musste die Waffenkammer sein, denn die Wände und Regale waren voll mit Klingen, Beilen, Hämmern aller Art. Selbst mehrere der Armbrüste, wie Barutz eine führte, sah Simund in dem weiten Raum aufgereiht. Ganz weit hinten glaubte Simund die magischen Waffen der Zwerge im Dunkeln schimmern zu sehen.

Stauend versuchten sie alle einen Blick in die Kammer zu erhaschen, nur versperrten die Zwerge ihnen den Weg, wodurch sie lediglich über deren Köpfe blicken konnten.

Waltnar fragte sie nach ihren Vorlieben und verschwand danach in der Kammer. Hedda freute sich über einen neuen Speer und eine elegante Axt. Sie sagte ihm, dass sie die meiste Zeit auf einem Schiff verbrachte, weswegen Waltnar der Meinung war, so eine Axt würde sich auch als Werkzeug sehr gut auf hoher See eignen. Rodried und Piasus bekamen beide Schwerter, welche etwas kürzer waren als jene, welche die Merowa an der Oberfläche verwendeten. Die Klingen hingegen waren breiter und wesentlich massiger. Schließlich kam Waltnar zu Simund und belächelte die Cherus-Keule.

„Fürchtest du dich vor scharfen Klingen? Wie wäre es mit einer einfachen Stange? Damit kannst du auch jemanden den Kopf einschlagen, aber wenigstens wäre es aus Metall.“

„Ich denke, Ihr unterschätzt diese Keule. Bislang hat sie sich als formidable Waffe erwiesen und ich fühle mich sehr wohl mit ihr.“

Waltnar nickte und dachte nach.

„Er braucht ein Schild“, sprach Hrodnitz. „Einen guten Schild. Denk nicht immer nur an die Waffen, man muss sich auch verteidigen können.“

„Das ist eine gute Idee!“, sprach Waltnar und ging in die Kammer. Zurück kam er mit einem etwa mittelgroßen, viereckigen Schild und überreichte ihm Simund. Er bestand ganz aus Metall, jedoch war er trotzdem nicht besonders schwer. Ob das an der Kunst der Zwerge lag? Die Form kam ihm zuerst fremdartig vor, war er doch die rundlichen Schilde der Merowa gewöhnt. Doch er glaubte, dass ihm diese Trutzwaffe gefallen würde.

Dann kam Melinde an die Reihe. Sie winkte sofort ab.

„Das ist zu freundlich“, sagte sie. „Aber ich brauche nichts und verlasse mich auf die starken Arme meiner Begleiter. Jedoch möchte ich Euch um einen Gefallen bitten. Leider können wir Euch dafür nichts bieten, aber Ihr würdet uns Merowa einen großen Dienst erweisen, wenn Ihr für uns eine andere Art von Waffe verwahrt.“

„Wovon sprichst du?“, fragte Waltnar.

„Piasus, zeige ihm bitte den Stab. Den Stab des Nekromanten.“

Die Zwerge rückten näher und die Gruppe trat einen Schritt zusammen. Die Art, wie die Zwerge von Kopf bis Fuß in schimmerndes Metall gekleidet waren, kannte Simund so nicht: Dort war nirgends eine Öffnung oder Lücke im Eisenkleid zu erkennen. Bis auf den Kopf, wo aus ein paar kleinen Schlitzen angriffslustige Augen heraus blitzten.

„Also“, sprach der Zwerg auf dem Stuhl. „Ihr wolltet doch reden? Vielleicht erklärt Ihr uns zuerst, wieso Ihr in unsere Hallen eingebrochen seid.“

Sie schauten sich gegenseitig an.

„Piasus“, sprach Simund, „zeig ihm einfach den Vertrag.“

„Ja, richtig, der Vertrag!“

Piasus wollte an seine Tasche. Sofort rückten die Zwerge einen weiteren Schritt vor.

„Nur ruhig!“, sprach Piasus mit erhobenen Armen. „Ich habe da ein Schriftstück in meiner Tasche, das ein Zwerg mir aufgetragen hatte, Euch zu übersenden. Wenn Ihr mir also erlauben würdet, es einfach herauszuholen …“

„Aber keine krummen Sachen!“, sprach einer der Zwerge. „Ich sehe doch, da ist ein Stab oder etwas Ähnliches.“

„Das ist nur ein einfacher Wanderstab, nichts weiter. Ich habe den Vertrag gleich herausgeholt, kein Grund zur Sorge. Hier, da ist er schon. Wenn ich …“

Der Zwerg vor ihnen riss ihm die Schriftrolle aus der Hand und warf einen kurzen Blick drauf.

„Es ist Zwergisch! Richtiges Zwergisch. Und … Das musst du dir ansehen!“

Seine Waffe fiel zu Boden, er konzentrierte sich allein darauf den Vertrag zu lesen. „Ithulde!“, rief er. „Du auch! Es geht um unseren Tiuz!“

„Tiuz?“

Der andere Zwerg war Ithulde?, wunderte sich Simund. Unter all diesem Metall hatte er nicht die Zwergenfrau erwartet.

Die Gruppe begann sich zu entspannen, als die drei Zwerge gemeinsam den Vertrag studierten. Ab und zu schienen sie sich über einzelne Passagen genauer zu beratschlagen. Simund hörte Worte fallen, die nur das ihm unbekannte Zwergisch sein konnten.

Die Zwerge hatten offenbar den Vertrag zur Gänze besprochen; sie nahmen ihre Helme ab und schauten verblüfft zu ihnen hinüber. Zwei der Zwerge ähnelten sich so sehr, dass Simund glaubte, Brüder zu sehen. Sie beide teilten sich die Augenbraue von einer Seite der Stirn zur anderen, das dunkelrote Haar fiel ihnen bis auf die Schultern hinab, dazu ein gleichfarbiger Bart, der ihnen bis zum Bauch reichte. Die nun deutlicher als Frau erkennbare Zwergin musste Ithulde gewesen sein: Sie hatte das blonde Haar zu zahllosen Zöpfen geflochten. Das Gesicht war etwas feist, eher das eines dicklichen Mädchens. Die Wangen waren gerötet im Vergleich zu den zumeist eher blassen männlichen Zwergen.

„Wisst ihr, was hier geschrieben steht?“ fragte der Zwerg, der vorhin auf dem Thron saß und gesungen hatte.

Piasus trat hervor: „Soweit was mir Tiuz erzählt hatte, ja. Wir haben ihn auch zu einem anderen Zwerg gebracht und seinen Inhalt bestätigen lassen. Wir wissen, worum es geht: Unterstützung für die Befreiung Ihres Sohnes. Und eine Belohnung.“

Der Klang des letzten Wortes schwankte zwischen einer Frage und einer Aussage.

„Tiuz ist am Leben!“, sprach Ithulde. „Die Nachricht allein ist schon eine Belohnung wert! Oh, wie ich unsere Söhne vermisse. Nun haben wir die traurige Nachricht, dass einer der beiden sein Ende gefunden hat. Aber wenigstens können wir Tiuz befreien.“

„Unverschämt ist das“, sprach einer der beiden anderen Zwerge. „Einfach so einen Vertrag aufzusetzen und zu beschließen, dass wir diese Fremden dabei unterstützen sollen. Und eine Belohnung sollen wir ihnen auch noch aushändigen. Aber so kennen wir unseren Tiuz, nicht wahr? Ich hätte es nicht anders getan.“

„Nein, Hrodnitz, das hättest du nicht. Es wird an der Zeit“, sagte er zu den Eindringlingen, „dass wir uns einander vorstellen. Ich bin Waltnar, das ist mein Bruder Hrodnitz und das die Stammhalterin unseres Hortes, Ithulde. Und nun wird es langsam Zeit, dass Ihr uns erklärt, wer Ihr seid und woher Ihr Tiuz kennt.“

Piasus erzählte alles, angefangen damit, wie er ihren Sohn Tiuz in der Gefangenschaft fand, wie Tiuz ihm von Hartrieds Mordversuch berichtete und ihm den wertvollen Gegenstand stahl.

Waltnar nickte und setzte sich auf einen Stuhl. „Wenn dieser König der Merowa einen mächtigen Gegenstand einer unserer Söhne in die Hände bekam, verwundert es nicht, dass Ihr die Hilfe von uns Zwergen benötigt. In der Tat könnte es sein, dass der König damit so gut wie unbesiegbar ist. Tiuz und sein Bruder verstanden ihr Handwerk.“

„Sollten wir uns nicht erst bereden?“, fragte Hrodnitz. „Bevor wir irgendetwas entscheiden und diesen Eindringlingen ihre Worte glauben, sollten wir uns zuerst zurückziehen und das Ganze in Ruhe besprechen.“

„Was gibt es da noch zu bereden?“, fragte Ithulde. „Ihre Geschichte gleicht sich mit dem, was in dem Vertrag von Tiuz selbst geschrieben steht. Für mich ist alles klar: Wir müssen diesen Menschen jede mögliche Hilfe zukommen lassen, damit sie auch bei der Befreiung von Tiuz Erfolg haben werden! Das steht außer Frage!“

Waltnar runzelte die Stirn. Simund fragte sich, ob er die Entscheidung fällen würde. Aber es schien ihm eher, als hätte Ithulde das letzte Wort.

„Wir können ihnen nicht alles mitgeben“, gab Waltnar zu bedenken. „Wir müssen auch an uns denken. Keiner von uns darf diesen Hort verlassen, wir haben nur noch uns drei im Moment.“

„Weil wir uns abgeschottet haben“, warf Ithulde ein. Und wandte sich dann an Simund und die anderen: „Wir erfuhren nämlich sehr wohl davon, dass etwas mit Tiuz und seinem Bruder geschehen war. Nachdem wir eine Weile nichts mehr von ihnen gehört hatten, sandten wir ein paar unserer eigenen Schüler aus.“

Schüler?, fragte sich Simund. Wohl wie Barutz ein Schüler von Svorgir ist. Doch was könnten ihre Schüler hier lernen?… Wir sahen viele Schmieden und diese Zwerge sind besser bewaffnet als alle anderen, denen ich bisher begegnet war. Es muss sich um Waffenschmiede handeln.

„Nicht alle kehrten zurück“, fuhr Ithulde fort, „und jene, die hier eintrafen, berichteten von dem leergeräumten Hort. Wir glaubten schon, wir wären die nächsten Opfer. Nie hätten wir ahnen können, dass der König der Merowa dahinter steckte. Oder war er damals noch nicht König?“

„Was tut es zur Sache?“, brachte sich Hrodnitz wieder ein. „Alle unsere Schüler haben uns verlassen. Wir können niemanden entbehren, da niemand zum Entbehren da ist. Wir können ihnen mehr Zwergengold und -Silber mitgeben, als sie tragen können, aber was nützt es ihnen?“

„Wir werden ihnen nicht unseren Reichtum mitgeben“, hielt Waltnar ihm gegen.

„Müssen wir nicht“, sprach Ithulde und ging auf Barutz zu. Sie stellte sich neben ihm und stemmte die Hände in die Hüfte. „Wir bezahlen ihn. Wenn dieser Zwerg die Menschen hierher bringen konnte, dann dürfte Tiuz zu befreien für ihn kein Problem sein. Habe ich nicht recht?“

Barutz schaute Ithulde verblüfft an. „Ich … ähm … denke schon. Weiß nicht. Vielleicht. Wo soll ich einbrechen? Ach ja, es ist eine menschliche Behausung, richtig? Das dürfte eigentlich kein Problem sein!“

Piasus verschränkte die Arme. „Ganz so einfach ist das nicht. Barutz wird auffallen. Dort, wo wir hinwollen, sind Zwerge kein gewöhnlicher Anblick. Die Nachricht wird schnell zum Tyrannen von Tyon gelangen und der wird dann sofort wissen wollen, um wen es sich bei diesem Zwerg handelt.“

„Dann müsst Ihr Euch eben etwas überlegen, wir Ihr ihn gut versteckt“, warf Ithulde ein. „Das ist mein Vorschlag: Wir bezahlen Barutz dafür, unseren Sohn zu befreien. Er wird Euch begleiten und auch mit ihm zurückkommen. Ist Tiuz wohl und behalten wieder hier, dann bekommt er die volle Bezahlung. Und Ihr natürlich die Belohnung.“

Die Zwergin gesellte sich zu ihren Männern. „Das ist doch eine bessere Idee, als diesen Menschen eine Unmenge Gold in den Rachen zu werfen und dann wissen sie nicht, was sie damit machen sollten.“

Waltnar legte die Stirn in tiefe Falten. Er sank tief in seinen Stuhl hinein. Hrodnitz hingegen beugte sich vor und schaute sich die Gruppe genau an.

„Das wird nicht reichen“, sprach er. „Sieh sie dir an. Kleiden sich in Wolle und Leder und glauben, damit eine gut geführte Klinge abhalten zu können. Speere und Schwerter von minderer Qualität, die meinen Augen zuwider ist. Der eine da muss sich sogar mit einem Stock begnügen!“

Hrodnitz zeigte auf Simunds Keule. Für einen Moment wollte Simund aufbegehren und ihm von der Wichtigkeit, gar Heiligkeit dieser göttlichen Waffe überzeugen. Dann entschied er sich dafür, in sich hinein zu lächeln. Er wusste es besser.

„Wir sind Schmiede, warum also geben wir ihnen nicht einige unserer Arbeiten mit? Das ist etwas, was wir entbehren können, denn unsere Kammern sind voll mit Klingen aller Art.“

Rodried bekam leuchtende Augen. „Wir kriegen zwergische Waffen?“

„Freue dich nicht zu früh“, sprach Waltnar. „Keine magischen Waffen. Damit fallt ihr sofort auf, selbst wenn die Menschen dort unten nicht wissen, dass der magische Glanz aus unseren Schmieden stammt. Aber ein paar solide Klingen erstklassiger Zwergenarbeit, das lässt sich einrichten.“

Das tat Rodrieds Freude keinen Abbruch. Auch Simund gefiel die Vorstellung, von den Zwergen ausgestattet zu werden. Die drei Zwerge bedeuteten den Menschen, ihnen zu folgen. Sie führten sie durch mehrere dunkle, verlassene Räume und niedrige Hallen. Überall legte sich Staub auf steinerne Möbel und Schmiedeöfen. Der Hort war weitaus weitläufiger, als Simund vermutet hätte und gleichzeitig auch viel vertrackter. Mehrmals bogen sie um, gingen durch kleine, verwinkelte Gänge, die immer wieder von einem der Zwerge aufgeschlossen werden mussten. Sie legten wirklich viel Wert auf Sicherheit.

Die letzte Tür führte zur Waffenkammer. Es musste die Waffenkammer sein, denn die Wände und Regale waren voll mit Klingen, Beilen, Hämmern aller Art. Selbst mehrere der Armbrüste, wie Barutz eine führte, sah Simund in dem weiten Raum aufgereiht. Ganz weit hinten glaubte Simund die magischen Waffen der Zwerge im Dunkeln schimmern zu sehen.

Stauend versuchten sie alle einen Blick in die Kammer zu erhaschen, nur versperrten die Zwerge ihnen den Weg, wodurch sie lediglich über deren Köpfe blicken konnten.

Waltnar fragte sie nach ihren Vorlieben und verschwand danach in der Kammer. Hedda freute sich über einen neuen Speer und eine elegante Axt. Sie sagte ihm, dass sie die meiste Zeit auf einem Schiff verbrachte, weswegen Waltnar der Meinung war, so eine Axt würde sich auch als Werkzeug sehr gut auf hoher See eignen. Rodried und Piasus bekamen beide Schwerter, welche etwas kürzer waren als jene, welche die Merowa an der Oberfläche verwendeten. Die Klingen hingegen waren breiter und wesentlich massiger. Schließlich kam Waltnar zu Simund und belächelte die Cherus-Keule.

„Fürchtest du dich vor scharfen Klingen? Wie wäre es mit einer einfachen Stange? Damit kannst du auch jemanden den Kopf einschlagen, aber wenigstens wäre es aus Metall.“

„Ich denke, Ihr unterschätzt diese Keule. Bislang hat sie sich als formidable Waffe erwiesen und ich fühle mich sehr wohl mit ihr.“

Waltnar nickte und dachte nach.

„Er braucht ein Schild“, sprach Hrodnitz. „Einen guten Schild. Denk nicht immer nur an die Waffen, man muss sich auch verteidigen können.“

„Das ist eine gute Idee!“, sprach Waltnar und ging in die Kammer. Zurück kam er mit einem etwa mittelgroßen, viereckigen Schild und überreichte ihm Simund. Er bestand ganz aus Metall, jedoch war er trotzdem nicht besonders schwer. Ob das an der Kunst der Zwerge lag? Die Form kam ihm zuerst fremdartig vor, war er doch die rundlichen Schilde der Merowa gewöhnt. Doch er glaubte, dass ihm diese Trutzwaffe gefallen würde.

Dann kam Melinde an die Reihe. Sie winkte sofort ab.

„Das ist zu freundlich“, sagte sie. „Aber ich brauche nichts und verlasse mich auf die starken Arme meiner Begleiter. Jedoch möchte ich Euch um einen Gefallen bitten. Leider können wir Euch dafür nichts bieten, aber Ihr würdet uns Merowa einen großen Dienst erweisen, wenn Ihr für uns eine andere Art von Waffe verwahrt.“

„Wovon sprichst du?“, fragte Waltnar.

„Piasus, zeige ihm bitte den Stab. Den Stab des Nekromanten.“

Die Zwerge rückten näher und die Gruppe trat einen Schritt zusammen. Die Art, wie die Zwerge von Kopf bis Fuß in schimmerndes Metall gekleidet waren, kannte Simund so nicht: Dort war nirgends eine Öffnung oder Lücke im Eisenkleid zu erkennen. Bis auf den Kopf, wo aus ein paar kleinen Schlitzen angriffslustige Augen heraus blitzten.

„Also“, sprach der Zwerg auf dem Stuhl. „Ihr wolltet doch reden? Vielleicht erklärt Ihr uns zuerst, wieso Ihr in unsere Hallen eingebrochen seid.“

Sie schauten sich gegenseitig an.

„Piasus“, sprach Simund, „zeig ihm einfach den Vertrag.“

„Ja, richtig, der Vertrag!“

Piasus wollte an seine Tasche. Sofort rückten die Zwerge einen weiteren Schritt vor.

„Nur ruhig!“, sprach Piasus mit erhobenen Armen. „Ich habe da ein Schriftstück in meiner Tasche, das ein Zwerg mir aufgetragen hatte, Euch zu übersenden. Wenn Ihr mir also erlauben würdet, es einfach herauszuholen …“

„Aber keine krummen Sachen!“, sprach einer der Zwerge. „Ich sehe doch, da ist ein Stab oder etwas Ähnliches.“

„Das ist nur ein einfacher Wanderstab, nichts weiter. Ich habe den Vertrag gleich herausgeholt, kein Grund zur Sorge. Hier, da ist er schon. Wenn ich …“

Der Zwerg vor ihnen riss ihm die Schriftrolle aus der Hand und warf einen kurzen Blick drauf.

„Es ist Zwergisch! Richtiges Zwergisch. Und … Das musst du dir ansehen!“

Seine Waffe fiel zu Boden, er konzentrierte sich allein darauf den Vertrag zu lesen. „Ithulde!“, rief er. „Du auch! Es geht um unseren Tiuz!“

„Tiuz?“

Der andere Zwerg war Ithulde?, wunderte sich Simund. Unter all diesem Metall hatte er nicht die Zwergenfrau erwartet.

Die Gruppe begann sich zu entspannen, als die drei Zwerge gemeinsam den Vertrag studierten. Ab und zu schienen sie sich über einzelne Passagen genauer zu beratschlagen. Simund hörte Worte fallen, die nur das ihm unbekannte Zwergisch sein konnten.

Die Zwerge hatten offenbar den Vertrag zur Gänze besprochen; sie nahmen ihre Helme ab und schauten verblüfft zu ihnen hinüber. Zwei der Zwerge ähnelten sich so sehr, dass Simund glaubte, Brüder zu sehen. Sie beide teilten sich die Augenbraue von einer Seite der Stirn zur anderen, das dunkelrote Haar fiel ihnen bis auf die Schultern hinab, dazu ein gleichfarbiger Bart, der ihnen bis zum Bauch reichte. Die nun deutlicher als Frau erkennbare Zwergin musste Ithulde gewesen sein: Sie hatte das blonde Haar zu zahllosen Zöpfen geflochten. Das Gesicht war etwas feist, eher das eines dicklichen Mädchens. Die Wangen waren gerötet im Vergleich zu den zumeist eher blassen männlichen Zwergen.

„Wisst ihr, was hier geschrieben steht?“ fragte der Zwerg, der vorhin auf dem Thron saß und gesungen hatte.

Piasus trat hervor: „Soweit was mir Tiuz erzählt hatte, ja. Wir haben ihn auch zu einem anderen Zwerg gebracht und seinen Inhalt bestätigen lassen. Wir wissen, worum es geht: Unterstützung für die Befreiung Ihres Sohnes. Und eine Belohnung.“

Der Klang des letzten Wortes schwankte zwischen einer Frage und einer Aussage.

„Tiuz ist am Leben!“, sprach Ithulde. „Die Nachricht allein ist schon eine Belohnung wert! Oh, wie ich unsere Söhne vermisse. Nun haben wir die traurige Nachricht, dass einer der beiden sein Ende gefunden hat. Aber wenigstens können wir Tiuz befreien.“

„Unverschämt ist das“, sprach einer der beiden anderen Zwerge. „Einfach so einen Vertrag aufzusetzen und zu beschließen, dass wir diese Fremden dabei unterstützen sollen. Und eine Belohnung sollen wir ihnen auch noch aushändigen. Aber so kennen wir unseren Tiuz, nicht wahr? Ich hätte es nicht anders getan.“

„Nein, Hrodnitz, das hättest du nicht. Es wird an der Zeit“, sagte er zu den Eindringlingen, „dass wir uns einander vorstellen. Ich bin Waltnar, das ist mein Bruder Hrodnitz und das die Stammhalterin unseres Hortes, Ithulde. Und nun wird es langsam Zeit, dass Ihr uns erklärt, wer Ihr seid und woher Ihr Tiuz kennt.“

Piasus erzählte alles, angefangen damit, wie er ihren Sohn Tiuz in der Gefangenschaft fand, wie Tiuz ihm von Hartrieds Mordversuch berichtete und ihm den wertvollen Gegenstand stahl.

Waltnar nickte und setzte sich auf einen Stuhl. „Wenn dieser König der Merowa einen mächtigen Gegenstand einer unserer Söhne in die Hände bekam, verwundert es nicht, dass Ihr die Hilfe von uns Zwergen benötigt. In der Tat könnte es sein, dass der König damit so gut wie unbesiegbar ist. Tiuz und sein Bruder verstanden ihr Handwerk.“

„Sollten wir uns nicht erst bereden?“, fragte Hrodnitz. „Bevor wir irgendetwas entscheiden und diesen Eindringlingen ihre Worte glauben, sollten wir uns zuerst zurückziehen und das Ganze in Ruhe besprechen.“

„Was gibt es da noch zu bereden?“, fragte Ithulde. „Ihre Geschichte gleicht sich mit dem, was in dem Vertrag von Tiuz selbst geschrieben steht. Für mich ist alles klar: Wir müssen diesen Menschen jede mögliche Hilfe zukommen lassen, damit sie auch bei der Befreiung von Tiuz Erfolg haben werden! Das steht außer Frage!“

Waltnar runzelte die Stirn. Simund fragte sich, ob er die Entscheidung fällen würde. Aber es schien ihm eher, als hätte Ithulde das letzte Wort.

„Wir können ihnen nicht alles mitgeben“, gab Waltnar zu bedenken. „Wir müssen auch an uns denken. Keiner von uns darf diesen Hort verlassen, wir haben nur noch uns drei im Moment.“

„Weil wir uns abgeschottet haben“, warf Ithulde ein. Und wandte sich dann an Simund und die anderen: „Wir erfuhren nämlich sehr wohl davon, dass etwas mit Tiuz und seinem Bruder geschehen war. Nachdem wir eine Weile nichts mehr von ihnen gehört hatten, sandten wir ein paar unserer eigenen Schüler aus.“

Schüler?, fragte sich Simund. Wohl wie Barutz ein Schüler von Svorgir ist. Doch was könnten ihre Schüler hier lernen?… Wir sahen viele Schmieden und diese Zwerge sind besser bewaffnet als alle anderen, denen ich bisher begegnet war. Es muss sich um Waffenschmiede handeln.

„Nicht alle kehrten zurück“, fuhr Ithulde fort, „und jene, die hier eintrafen, berichteten von dem leergeräumten Hort. Wir glaubten schon, wir wären die nächsten Opfer. Nie hätten wir ahnen können, dass der König der Merowa dahinter steckte. Oder war er damals noch nicht König?“

„Was tut es zur Sache?“, brachte sich Hrodnitz wieder ein. „Alle unsere Schüler haben uns verlassen. Wir können niemanden entbehren, da niemand zum Entbehren da ist. Wir können ihnen mehr Zwergengold und -Silber mitgeben, als sie tragen können, aber was nützt es ihnen?“

„Wir werden ihnen nicht unseren Reichtum mitgeben“, hielt Waltnar ihm gegen.

„Müssen wir nicht“, sprach Ithulde und ging auf Barutz zu. Sie stellte sich neben ihm und stemmte die Hände in die Hüfte. „Wir bezahlen ihn. Wenn dieser Zwerg die Menschen hierher bringen konnte, dann dürfte Tiuz zu befreien für ihn kein Problem sein. Habe ich nicht recht?“

Barutz schaute Ithulde verblüfft an. „Ich … ähm … denke schon. Weiß nicht. Vielleicht. Wo soll ich einbrechen? Ach ja, es ist eine menschliche Behausung, richtig? Das dürfte eigentlich kein Problem sein!“

Piasus verschränkte die Arme. „Ganz so einfach ist das nicht. Barutz wird auffallen. Dort, wo wir hinwollen, sind Zwerge kein gewöhnlicher Anblick. Die Nachricht wird schnell zum Tyrannen von Tyon gelangen und der wird dann sofort wissen wollen, um wen es sich bei diesem Zwerg handelt.“

„Dann müsst Ihr Euch eben etwas überlegen, wir Ihr ihn gut versteckt“, warf Ithulde ein. „Das ist mein Vorschlag: Wir bezahlen Barutz dafür, unseren Sohn zu befreien. Er wird Euch begleiten und auch mit ihm zurückkommen. Ist Tiuz wohl und behalten wieder hier, dann bekommt er die volle Bezahlung. Und Ihr natürlich die Belohnung.“

Die Zwergin gesellte sich zu ihren Männern. „Das ist doch eine bessere Idee, als diesen Menschen eine Unmenge Gold in den Rachen zu werfen und dann wissen sie nicht, was sie damit machen sollten.“

Waltnar legte die Stirn in tiefe Falten. Er sank tief in seinen Stuhl hinein. Hrodnitz hingegen beugte sich vor und schaute sich die Gruppe genau an.

„Das wird nicht reichen“, sprach er. „Sieh sie dir an. Kleiden sich in Wolle und Leder und glauben, damit eine gut geführte Klinge abhalten zu können. Speere und Schwerter von minderer Qualität, die meinen Augen zuwider ist. Der eine da muss sich sogar mit einem Stock begnügen!“

Hrodnitz zeigte auf Simunds Keule. Für einen Moment wollte Simund aufbegehren und ihm von der Wichtigkeit, gar Heiligkeit dieser göttlichen Waffe überzeugen. Dann entschied er sich dafür, in sich hinein zu lächeln. Er wusste es besser.

„Wir sind Schmiede, warum also geben wir ihnen nicht einige unserer Arbeiten mit? Das ist etwas, was wir entbehren können, denn unsere Kammern sind voll mit Klingen aller Art.“

Rodried bekam leuchtende Augen. „Wir kriegen zwergische Waffen?“

„Freue dich nicht zu früh“, sprach Waltnar. „Keine magischen Waffen. Damit fallt ihr sofort auf, selbst wenn die Menschen dort unten nicht wissen, dass der magische Glanz aus unseren Schmieden stammt. Aber ein paar solide Klingen erstklassiger Zwergenarbeit, das lässt sich einrichten.“

Das tat Rodrieds Freude keinen Abbruch. Auch Simund gefiel die Vorstellung, von den Zwergen ausgestattet zu werden. Die drei Zwerge bedeuteten den Menschen, ihnen zu folgen. Sie führten sie durch mehrere dunkle, verlassene Räume und niedrige Hallen. Überall legte sich Staub auf steinerne Möbel und Schmiedeöfen. Der Hort war weitaus weitläufiger, als Simund vermutet hätte und gleichzeitig auch viel vertrackter. Mehrmals bogen sie um, gingen durch kleine, verwinkelte Gänge, die immer wieder von einem der Zwerge aufgeschlossen werden mussten. Sie legten wirklich viel Wert auf Sicherheit.

Die letzte Tür führte zur Waffenkammer. Es musste die Waffenkammer sein, denn die Wände und Regale waren voll mit Klingen, Beilen, Hämmern aller Art. Selbst mehrere der Armbrüste, wie Barutz eine führte, sah Simund in dem weiten Raum aufgereiht. Ganz weit hinten glaubte Simund die magischen Waffen der Zwerge im Dunkeln schimmern zu sehen.

Stauend versuchten sie alle einen Blick in die Kammer zu erhaschen, nur versperrten die Zwerge ihnen den Weg, wodurch sie lediglich über deren Köpfe blicken konnten.

Waltnar fragte sie nach ihren Vorlieben und verschwand danach in der Kammer. Hedda freute sich über einen neuen Speer und eine elegante Axt. Sie sagte ihm, dass sie die meiste Zeit auf einem Schiff verbrachte, weswegen Waltnar der Meinung war, so eine Axt würde sich auch als Werkzeug sehr gut auf hoher See eignen. Rodried und Piasus bekamen beide Schwerter, welche etwas kürzer waren als jene, welche die Merowa an der Oberfläche verwendeten. Die Klingen hingegen waren breiter und wesentlich massiger. Schließlich kam Waltnar zu Simund und belächelte die Cherus-Keule.

„Fürchtest du dich vor scharfen Klingen? Wie wäre es mit einer einfachen Stange? Damit kannst du auch jemanden den Kopf einschlagen, aber wenigstens wäre es aus Metall.“

„Ich denke, Ihr unterschätzt diese Keule. Bislang hat sie sich als formidable Waffe erwiesen und ich fühle mich sehr wohl mit ihr.“

Waltnar nickte und dachte nach.

„Er braucht ein Schild“, sprach Hrodnitz. „Einen guten Schild. Denk nicht immer nur an die Waffen, man muss sich auch verteidigen können.“

„Das ist eine gute Idee!“, sprach Waltnar und ging in die Kammer. Zurück kam er mit einem etwa mittelgroßen, viereckigen Schild und überreichte ihm Simund. Er bestand ganz aus Metall, jedoch war er trotzdem nicht besonders schwer. Ob das an der Kunst der Zwerge lag? Die Form kam ihm zuerst fremdartig vor, war er doch die rundlichen Schilde der Merowa gewöhnt. Doch er glaubte, dass ihm diese Trutzwaffe gefallen würde.

Dann kam Melinde an die Reihe. Sie winkte sofort ab.

„Das ist zu freundlich“, sagte sie. „Aber ich brauche nichts und verlasse mich auf die starken Arme meiner Begleiter. Jedoch möchte ich Euch um einen Gefallen bitten. Leider können wir Euch dafür nichts bieten, aber Ihr würdet uns Merowa einen großen Dienst erweisen, wenn Ihr für uns eine andere Art von Waffe verwahrt.“

„Wovon sprichst du?“, fragte Waltnar.

„Piasus, zeige ihm bitte den Stab. Den Stab des Nekromanten.“

Die Zwerge rückten näher und die Gruppe trat einen Schritt zusammen. Die Art, wie die Zwerge von Kopf bis Fuß in schimmerndes Metall gekleidet waren, kannte Simund so nicht: Dort war nirgends eine Öffnung oder Lücke im Eisenkleid zu erkennen. Bis auf den Kopf, wo aus ein paar kleinen Schlitzen angriffslustige Augen heraus blitzten.

„Also“, sprach der Zwerg auf dem Stuhl. „Ihr wolltet doch reden? Vielleicht erklärt Ihr uns zuerst, wieso Ihr in unsere Hallen eingebrochen seid.“

Sie schauten sich gegenseitig an.

„Piasus“, sprach Simund, „zeig ihm einfach den Vertrag.“

„Ja, richtig, der Vertrag!“

Piasus wollte an seine Tasche. Sofort rückten die Zwerge einen weiteren Schritt vor.

„Nur ruhig!“, sprach Piasus mit erhobenen Armen. „Ich habe da ein Schriftstück in meiner Tasche, das ein Zwerg mir aufgetragen hatte, Euch zu übersenden. Wenn Ihr mir also erlauben würdet, es einfach herauszuholen …“

„Aber keine krummen Sachen!“, sprach einer der Zwerge. „Ich sehe doch, da ist ein Stab oder etwas Ähnliches.“

„Das ist nur ein einfacher Wanderstab, nichts weiter. Ich habe den Vertrag gleich herausgeholt, kein Grund zur Sorge. Hier, da ist er schon. Wenn ich …“

Der Zwerg vor ihnen riss ihm die Schriftrolle aus der Hand und warf einen kurzen Blick drauf.

„Es ist Zwergisch! Richtiges Zwergisch. Und … Das musst du dir ansehen!“

Seine Waffe fiel zu Boden, er konzentrierte sich allein darauf den Vertrag zu lesen. „Ithulde!“, rief er. „Du auch! Es geht um unseren Tiuz!“

„Tiuz?“

Der andere Zwerg war Ithulde?, wunderte sich Simund. Unter all diesem Metall hatte er nicht die Zwergenfrau erwartet.

Die Gruppe begann sich zu entspannen, als die drei Zwerge gemeinsam den Vertrag studierten. Ab und zu schienen sie sich über einzelne Passagen genauer zu beratschlagen. Simund hörte Worte fallen, die nur das ihm unbekannte Zwergisch sein konnten.

Die Zwerge hatten offenbar den Vertrag zur Gänze besprochen; sie nahmen ihre Helme ab und schauten verblüfft zu ihnen hinüber. Zwei der Zwerge ähnelten sich so sehr, dass Simund glaubte, Brüder zu sehen. Sie beide teilten sich die Augenbraue von einer Seite der Stirn zur anderen, das dunkelrote Haar fiel ihnen bis auf die Schultern hinab, dazu ein gleichfarbiger Bart, der ihnen bis zum Bauch reichte. Die nun deutlicher als Frau erkennbare Zwergin musste Ithulde gewesen sein: Sie hatte das blonde Haar zu zahllosen Zöpfen geflochten. Das Gesicht war etwas feist, eher das eines dicklichen Mädchens. Die Wangen waren gerötet im Vergleich zu den zumeist eher blassen männlichen Zwergen.

„Wisst ihr, was hier geschrieben steht?“ fragte der Zwerg, der vorhin auf dem Thron saß und gesungen hatte.

Piasus trat hervor: „Soweit was mir Tiuz erzählt hatte, ja. Wir haben ihn auch zu einem anderen Zwerg gebracht und seinen Inhalt bestätigen lassen. Wir wissen, worum es geht: Unterstützung für die Befreiung Ihres Sohnes. Und eine Belohnung.“

Der Klang des letzten Wortes schwankte zwischen einer Frage und einer Aussage.

„Tiuz ist am Leben!“, sprach Ithulde. „Die Nachricht allein ist schon eine Belohnung wert! Oh, wie ich unsere Söhne vermisse. Nun haben wir die traurige Nachricht, dass einer der beiden sein Ende gefunden hat. Aber wenigstens können wir Tiuz befreien.“

„Unverschämt ist das“, sprach einer der beiden anderen Zwerge. „Einfach so einen Vertrag aufzusetzen und zu beschließen, dass wir diese Fremden dabei unterstützen sollen. Und eine Belohnung sollen wir ihnen auch noch aushändigen. Aber so kennen wir unseren Tiuz, nicht wahr? Ich hätte es nicht anders getan.“

„Nein, Hrodnitz, das hättest du nicht. Es wird an der Zeit“, sagte er zu den Eindringlingen, „dass wir uns einander vorstellen. Ich bin Waltnar, das ist mein Bruder Hrodnitz und das die Stammhalterin unseres Hortes, Ithulde. Und nun wird es langsam Zeit, dass Ihr uns erklärt, wer Ihr seid und woher Ihr Tiuz kennt.“

Piasus erzählte alles, angefangen damit, wie er ihren Sohn Tiuz in der Gefangenschaft fand, wie Tiuz ihm von Hartrieds Mordversuch berichtete und ihm den wertvollen Gegenstand stahl.

Waltnar nickte und setzte sich auf einen Stuhl. „Wenn dieser König der Merowa einen mächtigen Gegenstand einer unserer Söhne in die Hände bekam, verwundert es nicht, dass Ihr die Hilfe von uns Zwergen benötigt. In der Tat könnte es sein, dass der König damit so gut wie unbesiegbar ist. Tiuz und sein Bruder verstanden ihr Handwerk.“

„Sollten wir uns nicht erst bereden?“, fragte Hrodnitz. „Bevor wir irgendetwas entscheiden und diesen Eindringlingen ihre Worte glauben, sollten wir uns zuerst zurückziehen und das Ganze in Ruhe besprechen.“

„Was gibt es da noch zu bereden?“, fragte Ithulde. „Ihre Geschichte gleicht sich mit dem, was in dem Vertrag von Tiuz selbst geschrieben steht. Für mich ist alles klar: Wir müssen diesen Menschen jede mögliche Hilfe zukommen lassen, damit sie auch bei der Befreiung von Tiuz Erfolg haben werden! Das steht außer Frage!“

Waltnar runzelte die Stirn. Simund fragte sich, ob er die Entscheidung fällen würde. Aber es schien ihm eher, als hätte Ithulde das letzte Wort.

„Wir können ihnen nicht alles mitgeben“, gab Waltnar zu bedenken. „Wir müssen auch an uns denken. Keiner von uns darf diesen Hort verlassen, wir haben nur noch uns drei im Moment.“

„Weil wir uns abgeschottet haben“, warf Ithulde ein. Und wandte sich dann an Simund und die anderen: „Wir erfuhren nämlich sehr wohl davon, dass etwas mit Tiuz und seinem Bruder geschehen war. Nachdem wir eine Weile nichts mehr von ihnen gehört hatten, sandten wir ein paar unserer eigenen Schüler aus.“

Schüler?, fragte sich Simund. Wohl wie Barutz ein Schüler von Svorgir ist. Doch was könnten ihre Schüler hier lernen?… Wir sahen viele Schmieden und diese Zwerge sind besser bewaffnet als alle anderen, denen ich bisher begegnet war. Es muss sich um Waffenschmiede handeln.

„Nicht alle kehrten zurück“, fuhr Ithulde fort, „und jene, die hier eintrafen, berichteten von dem leergeräumten Hort. Wir glaubten schon, wir wären die nächsten Opfer. Nie hätten wir ahnen können, dass der König der Merowa dahinter steckte. Oder war er damals noch nicht König?“

„Was tut es zur Sache?“, brachte sich Hrodnitz wieder ein. „Alle unsere Schüler haben uns verlassen. Wir können niemanden entbehren, da niemand zum Entbehren da ist. Wir können ihnen mehr Zwergengold und -Silber mitgeben, als sie tragen können, aber was nützt es ihnen?“

„Wir werden ihnen nicht unseren Reichtum mitgeben“, hielt Waltnar ihm gegen.

„Müssen wir nicht“, sprach Ithulde und ging auf Barutz zu. Sie stellte sich neben ihm und stemmte die Hände in die Hüfte. „Wir bezahlen ihn. Wenn dieser Zwerg die Menschen hierher bringen konnte, dann dürfte Tiuz zu befreien für ihn kein Problem sein. Habe ich nicht recht?“

Barutz schaute Ithulde verblüfft an. „Ich … ähm … denke schon. Weiß nicht. Vielleicht. Wo soll ich einbrechen? Ach ja, es ist eine menschliche Behausung, richtig? Das dürfte eigentlich kein Problem sein!“

Piasus verschränkte die Arme. „Ganz so einfach ist das nicht. Barutz wird auffallen. Dort, wo wir hinwollen, sind Zwerge kein gewöhnlicher Anblick. Die Nachricht wird schnell zum Tyrannen von Tyon gelangen und der wird dann sofort wissen wollen, um wen es sich bei diesem Zwerg handelt.“

„Dann müsst Ihr Euch eben etwas überlegen, wir Ihr ihn gut versteckt“, warf Ithulde ein. „Das ist mein Vorschlag: Wir bezahlen Barutz dafür, unseren Sohn zu befreien. Er wird Euch begleiten und auch mit ihm zurückkommen. Ist Tiuz wohl und behalten wieder hier, dann bekommt er die volle Bezahlung. Und Ihr natürlich die Belohnung.“

Die Zwergin gesellte sich zu ihren Männern. „Das ist doch eine bessere Idee, als diesen Menschen eine Unmenge Gold in den Rachen zu werfen und dann wissen sie nicht, was sie damit machen sollten.“

Waltnar legte die Stirn in tiefe Falten. Er sank tief in seinen Stuhl hinein. Hrodnitz hingegen beugte sich vor und schaute sich die Gruppe genau an.

„Das wird nicht reichen“, sprach er. „Sieh sie dir an. Kleiden sich in Wolle und Leder und glauben, damit eine gut geführte Klinge abhalten zu können. Speere und Schwerter von minderer Qualität, die meinen Augen zuwider ist. Der eine da muss sich sogar mit einem Stock begnügen!“

Hrodnitz zeigte auf Simunds Keule. Für einen Moment wollte Simund aufbegehren und ihm von der Wichtigkeit, gar Heiligkeit dieser göttlichen Waffe überzeugen. Dann entschied er sich dafür, in sich hinein zu lächeln. Er wusste es besser.

„Wir sind Schmiede, warum also geben wir ihnen nicht einige unserer Arbeiten mit? Das ist etwas, was wir entbehren können, denn unsere Kammern sind voll mit Klingen aller Art.“

Rodried bekam leuchtende Augen. „Wir kriegen zwergische Waffen?“

„Freue dich nicht zu früh“, sprach Waltnar. „Keine magischen Waffen. Damit fallt ihr sofort auf, selbst wenn die Menschen dort unten nicht wissen, dass der magische Glanz aus unseren Schmieden stammt. Aber ein paar solide Klingen erstklassiger Zwergenarbeit, das lässt sich einrichten.“

Das tat Rodrieds Freude keinen Abbruch. Auch Simund gefiel die Vorstellung, von den Zwergen ausgestattet zu werden. Die drei Zwerge bedeuteten den Menschen, ihnen zu folgen. Sie führten sie durch mehrere dunkle, verlassene Räume und niedrige Hallen. Überall legte sich Staub auf steinerne Möbel und Schmiedeöfen. Der Hort war weitaus weitläufiger, als Simund vermutet hätte und gleichzeitig auch viel vertrackter. Mehrmals bogen sie um, gingen durch kleine, verwinkelte Gänge, die immer wieder von einem der Zwerge aufgeschlossen werden mussten. Sie legten wirklich viel Wert auf Sicherheit.

Die letzte Tür führte zur Waffenkammer. Es musste die Waffenkammer sein, denn die Wände und Regale waren voll mit Klingen, Beilen, Hämmern aller Art. Selbst mehrere der Armbrüste, wie Barutz eine führte, sah Simund in dem weiten Raum aufgereiht. Ganz weit hinten glaubte Simund die magischen Waffen der Zwerge im Dunkeln schimmern zu sehen.

Stauend versuchten sie alle einen Blick in die Kammer zu erhaschen, nur versperrten die Zwerge ihnen den Weg, wodurch sie lediglich über deren Köpfe blicken konnten.

Waltnar fragte sie nach ihren Vorlieben und verschwand danach in der Kammer. Hedda freute sich über einen neuen Speer und eine elegante Axt. Sie sagte ihm, dass sie die meiste Zeit auf einem Schiff verbrachte, weswegen Waltnar der Meinung war, so eine Axt würde sich auch als Werkzeug sehr gut auf hoher See eignen. Rodried und Piasus bekamen beide Schwerter, welche etwas kürzer waren als jene, welche die Merowa an der Oberfläche verwendeten. Die Klingen hingegen waren breiter und wesentlich massiger. Schließlich kam Waltnar zu Simund und belächelte die Cherus-Keule.

„Fürchtest du dich vor scharfen Klingen? Wie wäre es mit einer einfachen Stange? Damit kannst du auch jemanden den Kopf einschlagen, aber wenigstens wäre es aus Metall.“

„Ich denke, Ihr unterschätzt diese Keule. Bislang hat sie sich als formidable Waffe erwiesen und ich fühle mich sehr wohl mit ihr.“

Waltnar nickte und dachte nach.

„Er braucht ein Schild“, sprach Hrodnitz. „Einen guten Schild. Denk nicht immer nur an die Waffen, man muss sich auch verteidigen können.“

„Das ist eine gute Idee!“, sprach Waltnar und ging in die Kammer. Zurück kam er mit einem etwa mittelgroßen, viereckigen Schild und überreichte ihm Simund. Er bestand ganz aus Metall, jedoch war er trotzdem nicht besonders schwer. Ob das an der Kunst der Zwerge lag? Die Form kam ihm zuerst fremdartig vor, war er doch die rundlichen Schilde der Merowa gewöhnt. Doch er glaubte, dass ihm diese Trutzwaffe gefallen würde.

Dann kam Melinde an die Reihe. Sie winkte sofort ab.

„Das ist zu freundlich“, sagte sie. „Aber ich brauche nichts und verlasse mich auf die starken Arme meiner Begleiter. Jedoch möchte ich Euch um einen Gefallen bitten. Leider können wir Euch dafür nichts bieten, aber Ihr würdet uns Merowa einen großen Dienst erweisen, wenn Ihr für uns eine andere Art von Waffe verwahrt.“

„Wovon sprichst du?“, fragte Waltnar.

„Piasus, zeige ihm bitte den Stab. Den Stab des Nekromanten.“

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